Wer erfolgreich digitalisieren will, braucht eine neue Perspektive

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Reden wir über Digitalisierung, dann reden wir oft über Künstliche Intelligenz, Augmented Reality, Blockchains, das Internet der Dinge und auch gerne mal über die Cloud. Damit allein kommen wir natürlich nicht weiter, also denken wir auch über New Work, Agilität und Innovationsmethoden wie Design Thinking nach.

Fakt ist, viel bringt uns das nicht. Wir reden, gerade in Deutschland, wahnsinnig gerne über Methoden und Technologien wie die oben genannten, aber wir tun uns schwer damit, über konkrete Problemstellungen und Lösungen zu sprechen. Das Werkzeug ist uns wichtiger als das Problem. Und über kurz oder lang ist genau das ein entscheidender Faktor, der viele von uns daran hindert, erfolgreich am digitalen Wandel beteiligt zu sein.

Wie erfolgreich sind Digitalisierungsprojekte?

Digitale Geschäftsmodelle und -prozesse im Unternehmen sind, insbesondere wenn wir über etablierte Unternehmen reden, heutzutage nur selten von Erfolg gekrönt. Sie dauern zu lang, kosten zu viel Geld, stoßen bei der Belegschaft, aber auch bei Kunden und Geschäftspartnern auf wenig Gegenliebe. Und sie beseitigen oft nur Symptome, denn eine spezifische Lösung, die natürlich eine intensive Auseinandersetzung mit der Problemstellung durch alle Beteiligten erfordert, bleibt in aller Regel aus.

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Gerne blenden wir das aus. Die Denke des industriellen Zeitalters, geprägt von Taylor und Ford, lehrt uns die Maxime der Optimierung und bestimmt heutzutage immer noch maßgeblich unser unternehmerisches Handeln. Doch immer häufiger müssen wir feststellen, dass die Theorien und Strategien, die dieser Denkweise entspringen, den heutigen Gegebenheiten einer hochkomplexen, sich immer schneller bewegenden und global agierenden Wirtschaftswelt nicht mehr gewachsen sind.

Metriken und KPIs beispielsweise laden uns dazu ein, die Effizienz immer weiter zu steigern. Und darin sind wir, selbst mit begrenzter digitaler Unterstützung, im Laufe der Zeit auch immer besser geworden. Auf der Strecke bleibt dabei oft die Tatsache, dass Metriken auf (in aller Regel radikal) vereinfachten Modellen beruhen, die die Dynamik der heutigen Realität nur noch unzureichend abbilden. Wir optimieren einzelne Stellschrauben, haben aber zugleich aus den Augen verloren, dass das Drehen an einem Schräubchen an unzähligen anderen Stellen mitunter schwerwiegende Auswirkungen haben kann. Wer dies nicht beachtet, verschlimmert häufig eher die Gesamtsituation als diese zu verbessern. Zahlen, egal wie häufig sie aktualisiert werden und wie viele Nachkommastellen sie haben, sind immer nur so genau wie das Modell, dem sie entspringen.

Wie profitiert man vom digitalen Wandel?

Wer vom digitalen Wandel profitieren will, ist gut darin beraten, seine Antworten auch abseits der Zahlen, in systemtheoretischen Zusammenhängen zu suchen und sich darum zu bemühen, die komplexe Dynamik des Zusammenspiels von Technik, Mensch und Markt zu verstehen. Effektivität, also die richtigen Herausforderungen und Probleme anzugehen, hat Effizienz, also etwas mit so wenig Ressourceneinsatz wie möglich zu tun, als primären Erfolgsfaktor vielerorts abgelöst.

Das heißt natürlich nicht, dass man die Automatisierung von Prozessschritten und Wertschöpfungsketten unterlassen sollte, um wertvolle Ressourcen zu sparen. Man sollte aber sorgfältig über den Grund nachdenken, was man einsparen möchte und warum man dies tut. Möchte ich das Potenzial meiner Belegschaft wirklich dafür nutzen, mein Geschäft nach vorne zu bringen, dann muss ich damit aufhören, diesen Personen lästige Routineaufgaben aufzuhalsen, die unnötig Zeit kosten, oft anfällig für Fehler sind und nicht maßgeblich und strategisch zur Wertschöpfung meines Unternehmens beitragen.

Deshalb beginnen sinnvolle und Mehrwert schaffende Digitalisierungsstrategien stets damit, Freiräume zu schaffen. Denn komplexe Problemstellungen, und das betrifft insbesondere auch die Entwicklung neuer und besserer Geschäftsmodelle und den Eintritt in neue Märkte, erfordern Freiräume zum denken, handeln und experimentieren.

Projekte, die solche Freiräume durch Digitalisierung schaffen, sind nicht nur essentiell für eine tragfähige und nach vorn gerichtete Unternehmensstrategie. Sie erfolgen idealerweise auch in kleinen Schritten, lassen sich also mit vergleichsweise geringen Kosten und in überschaubarer Zeit umsetzen. Sie setzen an gut isolierten Punkten in der Wertschöpfungskette an, die oft genug jetzt schon durch Brüche im Geschäftsprozess geplagt werden. Auf natürliche Weise ergeben sich so die Freiräume, größere und mutigere Vorhaben anzugehen.

Sechs Handlungsempfehlungen für Ihre Digital-Strategie

Welche Perspektive, welches Handeln erfordert damit eine erfolgreiche Digitalisierung? Gerne gebe ich Ihnen dazu folgende Handlungsempfehlungen mit auf den Weg ins Zeitalter, in dem Daten angeblich das neue Gold sind:

  1. Lassen Sie sich nicht von technischen Fachbegriffen und Buzzwords ablenken oder einlullen. Erfolgreich zu digitalisieren heißt, sich mit den spezifischen und individuellen Problemen eines Unternehmens auseinander zu setzen, und das gilt gleichermaßen für die Beteiligten, also einerseits für die Führungskräfte und Mitarbeiter im Unternehmen selbst, aber genauso  auch für alle externen Kooperationspartner und Dienstleister.
  2. Sorgen Sie für einen umfassenderen Blick aufs Ganze. Denken Sie systemisch. Messen und betrachten Sie nur die Dinge isoliert, für die dies wirklich Sinn macht. Die Analyse der Dynamik komplexer Zusammenhänge übertrumpft die eher statische Betrachtung einzelner Aspekte des Ganzen in vielen Fällen.
  3. Schaffen Sie gezielt Freiräume, um größer denken zu können. Der typische Feuerwehr-Modus des Mittelständlers kann nicht enden, ohne systematisch das Aufflackern neuer Brände zu verhindern. Ob Rechnungsstellung, Zeiterfassung, Wissensmanagement oder Ein- und Verkauf. Automatisieren Sie Routineaufgaben und nutzen Sie das frei werdende Potenzial Ihrer Mitarbeiter für die strategische Weiterentwicklung Ihres Unternehmens.
  4. Nutzen Sie diese Potenziale richtig. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern soll neue Herausforderungen lösen. Hier sind Kreativität, Lösungskompetenz und Auffassungsgabe Ihrer Mitarbeiter gefragt. Digitale Denke ist nicht allein geprägt durch die Fähigkeit, programmieren oder technisch denken zu können. Sie ist ein wertvolles Hilfsmittel, um echte und nachhaltige Mehrwerte für Ihr Unternehmen zu schaffen und erfordert interdisziplinäre Vorgehensweisen.
  5. Digitalisierung ist keine Wahl, sie ist ein Prozess, den wir gezwungenermaßen durchlaufen. Sie durchdringt heutzutage alle Aspekte unseres Handelns und Wirkens, sie geht uns alle an und gehört damit insbesondere im Unternehmenskontext nicht nur zur täglichen Arbeit aller Mitarbeiter, sondern auch auf die Agenda der gesamten Führungsriege – und zwar jeden Tag aufs Neue.
  6. Der digitale Wandel ist kein Projekt, das man irgendwann einmal abschließen kann. Er ist ein evolutionärer Prozess, den wir aktiv mitgestalten können und müssen – sofern wir auch noch in der Wirtschaft und Gesellschaft von morgen noch eine Rolle spielen wollen.

Hendrik Belitz

Hendrik Belitz berät Kunden in Methoden und Strategien für den digitalen Wandel, insbesondere im Bezug auf das nachhaltige und innovative Zusammenspiel von Menschen, Prozessen und Technik. Er ist zudem als Speaker und Umsetzer digitaler Projekte für den Mittelstand tätig.

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