Von „Guugeln“ und Medien-Tieren

Neue Medien in der DASA Arbeitswelt Ausstellung

Bytes und Bits bestimmen unser Leben. Davon kann nicht zuletzt die Arbeitswelt ein Lied singen. Heutiger Schauplatz: eine Druckerei. Aus der vermeintlich beschaulichen Welt der Buchbinder und Schriftsetzer hat sich ein global rotierendes System aus nie versiegenden Datenströmen aufgebaut. Im Zentrum steht immer noch der Mensch?
Die DASA Arbeitswelt Ausstellung hat die schillernde Medienwelt in ihrem neuesten Ausstellungsbereich um die „Neuen Medien“ hinterfragt. Und ausgestellt.

Sarah-Louise Rehahn, Ausstellungsmacherin in der DASA, nimmt uns mit auf die Reise zu neuen Möglichkeiten und alten Belastungen.

Neue Medien

Sarah hatte im Verbund mit ihren Kolleginnen und unter Leitung von DASA-Ausstellungs-Chef Dr. Bernd Holtwick die spannende Aufgabe, einen in die Jahre gekommenen Teil der riesigen DASA neu zu konzipieren. Und hatte zunächst einen ganz großen Knoten im Kopf. Wie sollte sie ein so komplexes und vor allem abstraktes Thema wie „Digitalität“ oder „Medienkompetenz“ sichtbar machen und erst recht: dinglich ausstellen?

Nur Monitore zu zeigen, kam eigentlich nicht in Frage. Spielerisch sollte es sein und sich dennoch an der nötigen Architektur eines Fluchtweges orientiert. Sarah-Louise machte sich an die Arbeit und erfand mit den Kolleginnen Medien-Tiere, interviewte Medienproduzierende und konzipierte ein Emoji-Spiel.
Am Ende entstand eine Ausstellung mit sieben Themenabschnitten, die auf verschiedene Aspekte der Digitalisierung und deren Auswirkungen eingehen.

Beginnen wir mit einem „Austausch rund um die Welt“. Verschiedene Globen geben einen Eindruck von der weltweiten Vernetzung. Von Rechner zu Rechner, von Menschen, die Medien produzieren und Menschen, die sie konsumieren. Wer ist mittlerweile wer? Die Grenzen sind fließend geworden. Eine gigantische Menge an Nachrichten und Meldungen jagen in Millisekunden um den Globus. Für den Journalismus stellt sich bei dieser „Nachrichtenvielfalt“ die Frage nach der Qualität der Inhalte: zählen Aktualität und Schnelligkeit mehr als gut recherchierte Themen? Die Installation „TV Bot 2.0“ von Marc Lee greift diese Frage auf und zeigt Nachrichten weltweit, die soeben online gegangen sind, ungeprüft, ungefiltert und ungeachtet ihrer Inhalte. Dabei ist kaum zu unterscheiden, ob es sich um einen „seriösen“ Nachrichtenkanal oder um einen Post auf Social Media handelt.

Sie dürfen natürlich nicht fehlen: Die sozialen Medien bekommen ihre Bühne im Bereich „Senden und Empfangen“. Sarah sucht sich ein Gegenüber und dann geht es ans „gamen“: Mittels eines Emoji-Spiels können die Besucher*innen testen, inwiefern sie sich mit ihrem/ihrer Spielpartner*in über die Bedeutung der einzelnen Emojis einig sind. Tatsächlich nutzen wir wie wild die kleinen Piktogramme, doch es kann gut sein, dass jede*r die Abbildungen anders interpretiert. Im Spielmodus geht es direkt weiter, wenn es darum geht, „Hate-Speech“ schlichtweg vorzulesen. Man solle Sarah ruhig beschimpfen. Direkt ins Gesicht, so die Ansage. Die Sache macht unmissverständlich klar, wie anders das im Vergleich zum anonymen Post im virtuellen Raum wirkt.

Ähnlich augenfällig ist der Bereich „Wahrheit und Fälschung“. Wie leicht fällt es uns doch, ein Bild vor einem beliebigen Hintergrund zu gestalten. Stehen wir nicht wirklich im BVB-Stadion und schwenken die Fahnen? Mithilfe eines „Greenscreens“ entstehen im Nullkommanichts „Fake News“ – live aus der DASA.

Suchmaschine wörtlich genommen: In die Welt des Analogen entführt ein Objekt, das die DASA-Werkstätten erdacht und umgesetzt haben. Eine analoge Kugelbahn aus Holz, Plexi und Metall verdeutlicht, wie man eigentlich „googelt“, sprich: wie eine Suchmaschine funktioniert. Wir erhalten genau die Nachrichten, die unserer Filterblase entsprechen.

Wie Daten zur schier unerschöpflichen Ware werden, zeigt eine Installation der Künstler Wenger/Retzlaff, die uns vor Augen führen, welche Spuren wir im Netz hinterlassen. In der DASA wird klar und deutlich sichtbar, wo wir mit unseren Smartphones bereits unterwegs waren.

Im letzten Ausstellungsabschnitt entlässt die Installation „You:R:Code“ von Bernd Lintermann die Besucher*innen mit Gedanken zu unserem digitalen Spiegelbild und unserer virtuellen Identität aus der Ausstellung.

Bei so viel Technik – wo bleibt der Mensch? Sarah-Louise hat neun Interviews mit Medienschaffenden aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen geführt. Sie alle vereint der enorme Wandel ihres Arbeitsalltags in rasant kurzer Zeit. Ihre Geschichten geben Einblick in die aktuelle Situation des Journalismus. Und hinterlassen den Zuhörenden ziemlich nachdenklich.

Der Medienkompetenz-Parcours

Neben den beschriebenen künstlerischen Medieninstallationen, Objekten und Hands-Ons hat Sarah ihren Spieltrieb ausleben dürfen. Fünf interaktive Stationen sollen die Besucher*innen auf ihrem Weg durch die Ausstellung dazu animieren, ihre Medienkompetenz zu schulen. So verwandeln wir uns am Ende in ein Fabelwesen, ein buntes Medientier, das uns einen Spiegel über unser Medienverhalten vorhält.

Sarah schaut aufs Smartphone. Es erinnert sie an den nächsten Termin. Neue Medien, alter Zeitdruck

Die DASA

DASA Arbeitswelt Ausstellung, derzeit geöffnet von Montag bis Freitag: 9 bis 16 Uhr und am Wochenende von 10-18 Uhr.
Eintritt bis 31.12.20 frei.
Mehr unter www.dasa-dortmund.de
Infos zur Ausstellung: https://www.dasa-dortmund.de/ausstellungen/im-wettlauf-der-neuesten-nachrichten

Fotos:
Titelbild: Andreas Wahlbrink
Gutenberg / Filterblasen (Bildrecht: DASA)
Screen Medienstation (Bildrecht: DASA)