Netzwerken in digitalen Zeiten

Egal, ob digital oder analog – Netzwerken hilft

Nicht ob, sondern wo.
Sie netzwerken. Bestimmt. Jetzt gerade zum Beispiel beim Lesen dieses Blogbeitrags.
Die Frage „ob“ erübrigt sich in den meisten Fällen, entscheidender ist das „wo“. Nach einem steten Hype in den letzten 15 Jahren ist heute Netzwerken so angesagt wie nie zuvor.
In privaten oder sozialen Netzwerken, Business-Netzwerken, Industrie- und Innovations-Netzwerken; digital, virtuell, face-to-face, per Telefon, App, in virtuellen Räumen, exklusiv in Clubs, global und regional, während der Digitalen Woche in Dortmund und darüber hinaus: Machen Sie weiter so. Denn Netzwerken hilft.

Genetzwerkt wird bei NIRO  – so lautet die Abkürzung für das „Netzwerk Industrie RuhrOst e. V.“ – mit Sitz in Unna seit Ende 2006. Und mit dieser langjährigen wie vielfältigen Organisationserfahrung wird jetzt mal an dieser Stelle aus dem Netzwerk-Nähkästchen geplaudert.

Netzwerke – Theoretische Häppchen vorweg

Dieser Beitrag war schon länger geplant, will sagen: Schon vor Corona.
Denn seitdem das Virus unsere Welt aus den Fugen gehoben hat, ist auch das Thema Netzwerken noch populärer geworden. Was wäre passiert, wenn nicht unsere aktuelle Informationstechnologie – doch wesentlich stabiler und leistungsfähiger als oftmals befürchtet, Sicherheitsfragen jetzt einmal außen vor gelassen – dafür gesorgt hätte, dass viele von uns weiterhin mobil arbeiten können?
In Zeiten sozialer Distanz lassen sich also durchaus technologiegestützt Netzwerke und Kommunikation aufrecht erhalten. Bitte im Hinterkopf behalten. (Medien-)Technologie spielt bei Netzwerkerei zunehmend eine entscheidende Rolle.

Netzwerke gibt es seit der Entstehung von Gemeinschaften. Clans, religiöse Vereinigungen, Zünfte, die Hanse, Kammern, Industrienetzwerke, Innovationscluster, soziale Netzwerke: Sie alle verbindet, dass sich in ihnen die beteiligten Netzwerkakteur*innen gegenseitig stärken, miteinander kooperieren und Wissen transferieren.
Mittlerweile hat sich wissenschaftlich in unterschiedlichsten Disziplinen die Analyse und Erforschung von Netzwerken etabliert. Soziologie, Politikwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Pädagogik, Informatik, Kulturwissenschaften und viele andere Fächer haben die Bedeutung von Netzwerken erkannt.

Es kursieren zahlreiche unterschiedliche, teils sehr weit gefasste Definitionen des Netzwerkbegriffs. Grundlegend folgt dieser Beitrag den Überlegungen des Soziologen Johannes Weyer, der seit 2002 Inhaber der Professur für Techniksoziologie an der Technischen Universität Dortmund ist (vgl. dazu Johannes Weyer: Soziale Netzwerke: Konzepte und Methoden der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung, De Gruyter Oldenbourg, 2012).
Als Referenzen zur Beschreibung eines Netzwerks dienen Weyer die Begriffe Markt und Hierarchie. Netzwerke bieten Leistungen wie die Flexibilität marktförmiger Interaktion und zugleich organisierte Strukturen, die Verlässlichkeit und Effizienz ermöglichen. Dieses „und zugleich“ stellt ein grundlegendes Merkmal dar. Tauschaktionen können erfolgen, ohne unsichere und riskante marktbestimmte Transaktionen in Kauf nehmen zu müssen. Koordiniertes Verhalten wird ermöglicht, gänzlich ohne starre, bürokratische Organisationen zu nutzen. Alle Partner bleiben autonom. Kopplungen und Synergien steigern insgesamt die Lernfähigkeit.

Zusammenfassend nennt Dieter Bensmann in seinem Buch „Netzwerke. Eine innovative Organisationsform nutzen und managen“ (Haufe, 2018) vier Grundmerkmale von Netzwerken:

  1. Tausch: Dieser kann direkt stattfinden oder indirekt, mit individuellem Vorschuss.
  1. Ziele: Nur mit formulierten Zielen entsteht ein Netzwerk.
  1. Unterschiedlichkeit: Sie bildet den Nährboden für den Erfolg eines Netzwerks.
  1. Vertrauen: Unerlässlich in Netzwerken, es ist dynamisch und entsteht durch Handlungen.

Was Netzwerke leisten können

Netzwerke erfüllen eine strategische Funktion, indem sie Unsicherheiten reduzieren, die das eigene Verhalten und das anderer Netzwerkakteur*innen betreffen. Zudem haben sie eine instrumentelle Funktion durch die mögliche eigene Leistungssteigerung sowie des gesamten Netzwerkes.
Teil eines Netzwerks zu sein muss dem einzelnen Mitglied in irgendeiner Form einen Gewinn bringen, materiell oder auch immateriell. Dies kann auf vielerlei Arten geschehen, solange alle von Gewinnen profitieren. Für eine gewinnbringende Netzwerkpartnerschaft ist Vertrauen in die anderen Mitglieder und ihre Leistungsfähigkeit unerlässlich. Dabei spielt das Prinzip der Reziprozität eine wichtige Rolle. Der Kreislauf von Geben, Nehmen und Erwidern bestimmt das gemeinsame Miteinander und kann durchaus auch Vertrauensvorschuss oder Leistungsvorschuss beinhalten, der zu einem späteren Zeitpunkt erwidert wird. Gerade der Wert getauschter Erfahrungen und Informationen ist schwierig zu bemessen und kann individuell schwanken. Hier zeigt sich der Gewinn möglicherweise zeitversetzt oder erst mit dem Meistern einer bestimmten Situation.

Entscheidend ist die Wahl des geeigneten Netzwerks.
Es lassen sich unterschiedliche Arten von Netzwerken definieren. Neben sozialen Netzwerken gibt es Interorganisationsnetzwerke, die als einzelne Organisationen miteinander kooperieren, um ihre Interessen durchzusetzen.
Symmetrische und asymmetrische Netzwerke beschreiben die Struktur eines Netzwerks: Symmetrisch bei gleichstarken Mitgliedern, asymmetrisch, wenn von einem zentralen Mitglied viele andere abhängig sind.
Policy Netzwerke beziehen sich auf bestimmte politische Inhalte.
In strategischen Netzwerken hingegen finden sich wenige Partner zusammen, um sehr zielgerichtet eine bestimmte Strategie umzusetzen.
Innovationsnetzwerke konzentrieren sich vorrangig auf Forschung und Entwicklung.

In unserem Zusammenhang sind regionale Netzwerke von besonderem Interesse. Ihre Bedeutung zur Stärkung einer Region, der Unternehmen und Organisationen und damit auch der Menschen in ihr, ist vielfach nachgewiesen.

Das Programm „go-cluster” ist bundesweit die clusterpolitische Exzellenzmaßnahme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und verdeutlicht, wie wichtig Cluster bzw. Netzwerke für die Weiterentwicklung und Innovationsfähigkeit einer Region sind. Das Programm unterstützt Netzwerke bei der Weiterentwicklung ihrer Innovationscluster, betreibt Öffentlichkeitsarbeit, informiert über die unterschiedlichsten Aktivitäten der Netzwerke, bietet Seminare für Netzwerkmanager*innen und ihre Teams an und sorgt insgesamt für eine erhöhte Sichtbarkeit der Netzwerkinitiativen.
Derzeit gibt es 84 Mitglieder bei go-cluster, davon 30 allein in Nordrhein-Westfalen. Dazu gehören u. a. Creative.NRW, it’s OWL – Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe, ProduktionNRW Cluster Maschinenbau/Produktionstechnik und das EffizienzCluster LogistikRuhr. Auch NIRO ist Mitglied bei go-cluster und mit momentan 70 produzierenden Mitgliedsunternehmen aus dem Maschinenbau sowie der Metall- und Elektronikbranche eines der größten Netzwerke für Industrieunternehmen in Nordrhein-Westfalen.

Entscheidend für den Erfolg eines Netzwerks ist ein professionelles Management, das sich um die Belange des Netzwerks kümmert. Auch in dieser Hinsicht leistet das Programm go-cluster vielfältige Unterstützung.
Auf einer anderen Ebene als der der Mitglieder braucht es Leitung, Organisation und Strategie, um Gewinne für das Netzwerk nachhaltig zu sichern, neue zu entwickeln und zukunftsfähig zu bleiben. Die Organisationsform kann z. B. durch eine Wirtschaftsförderung gesichert sein, wie dies bei der Digitalen Woche Dortmund der Fall ist. NIRO hingegen ist als Verein organisiert, der mit seinem Vorstand und einem Organisationsteam die Netzwerkarbeit verantwortet. Dadurch haben die Mitgliedsunternehmen, die den Vorstand aus ihrer Mitte in zweijährigem Turnus wählen, einen großen Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Die Mitgliedsunternehmen geben einige Aufgaben an das Organisationsteam ab, können sich aber weiterhin einbringen, Themen vorschlagen, Ziele zur Diskussion stellen, Veranstaltungswünsche und Weiterbildungsbedarfe anmelden etc.

Good Practice aus der Region: Das Netzwerk Industrie RuhrOst e. V. (NIRO)

Unterschiedliche Netzwerke finden wir auch in unserer Region.
Während Sie diesen Text lesen, sind Sie in diesem Moment auf jeden Fall Teil eines Netzwerks.
Die Digitale Woche Dortmund gehört dazu. Jetzt, mit diesem Blog, sogar über die reine „Festivalzeit“ hinaus.
Ein wichtiger Knotenpunkt ist sicherlich auch die Digitale Werkbank in Dortmund.

Interessant wird es nun, zu schauen, in welchem Netzwerk Sie am besten aufgehoben sein könnten. Dazu werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und stellen Ihnen vor, welche Möglichkeiten NIRO als Netzwerk eröffnet.
Vielleicht sind Sie mit Ihrem Unternehmen schon Mitglied bei NIRO? NIRO bietet produzierenden Unternehmen in unserer Region zahlreiche materielle und immaterielle Vorteile und ist wiederum mit anderen regionalen Akteur*innen gut verknüpft.

Unser Netzfahrplan zeigt auf einen Blick die Themen, Aktivitäten und Angebote von NIRO.
Für Details ist sicherlich ein etwas längerer Blick notwendig; Mitglieder buchen zumindest ein Jahresticket, um alles kennen zu lernen. Die Gründungsmitglieder machen dies seit mehr als 13 Jahren regelmäßig. Insgesamt 70 Mitgliedsunternehmen bilden derzeit das Netzwerk und „fahren mit“.
Wie also lautet das Erfolgsrezept?

Bild: NIRO e. V.

Wichtig für das Netzwerk sind gemeinschaftlich formulierte Ziele. Dazu gehören der vertrauensvolle Austausch, das Profitieren vom gemeinsamen Einkauf, die Begleitung in Digitalisierungsprozessen, die Weiterentwicklung von Mitarbeiter*innen und Unternehmenskultur sowie die Förderung von Nachhaltigkeit.
Diese Ziele sind mit der Nutzung der unterschiedlichen Linien realisierbar. Zentral verlaufen die Linien Management, Einkauf und Einkaufspool sowie Digitalisierung – alles tragende Säulen des Netzwerks.
Die Linien Einkauf und Einkaufspool sorgen für die materiellen Vorteile. Ein wesentlicher Vorteil liegt im gemeinschaftlichen Einkauf durch die Bündelung von Bedarfen. Der NIRO Einkaufspool für indirekte Materialien, Dienstleistungen und Energie kann auf mehr als 40 attraktive Rahmenverträge mit ausgewählten Lieferanten zugreifen. Für die Bereiche Betriebsmittel, Facility Management, Industriedienstleistungen, Büro, IT und Kommunikation, Personal, Transport und Verpackung sowie Mobilität und Reisen konnten die jeweils zuständigen Verhandlungsgruppen – bestehend aus Einkaufsverantwortlichen der Mitgliedsunternehmen – in den letzten Jahren attraktive Rahmenverträge abschließen. Diese bieten insgesamt verbesserte Konditionen und optimierte Rahmenbedingungen wie z. B. längere Zahlungsziele und höhere Skonti. Signifikante Einsparungen lassen sich erzielen.

Profitieren können von den Vorteilen des Einkaufspools allerdings auch Unternehmen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht Mitglied von NIRO sind: Der Einkaufspool onepower ermöglicht allen interessierten Unternehmen die Nutzung der bestehenden Rahmenverträge.

Es gibt weitere Linien bei NIRO, die speziell immaterielle Vorteile für die Mitgliedsunternehmen bereithalten. Produktion, Logistik, Marketing, Nachhaltigkeit und Personal sind damit weitere Hauptstränge des Netzwerks. Dabei befindet sich die Zentrale von NIRO, vergleichbar mit einem Hauptbahnhof, in der Mitte des Netzfahrplans. Hier führen alle Linien entlang: Erfahrungsaustausche, Workshops, Seminare oder Kollegiale Fallberatungen können alle Mitfahrer*innen nutzen.
Die einzelnen Linien besitzen unterschiedliche Halte- und Schnittstellen, so z. B. Arbeitsgruppen zu verschiedenen Schwerpunkten, Veranstaltungsreihen, Themenkomplexe oder Weiterbildungsangebote, die je nach Bedarf und Fokussierung in Anspruch genommen werden. Immaterielle Vorteile wie z. B. Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer, geteilte Innovationen und Ressourcen sowie zeitlich begrenzte, themenspezifische Kooperationen oder gemeinsame Forschungsprojekte und Fortbildungen etc. ergänzen die rein monetären Vorteile.
Auf der Linie Digitalisierung steht die Haltestelle „NIRO-Wissen“ verbindend für die Vernetzung der Mitarbeiter*innen aus den einzelnen Mitgliedsunternehmen. In diesem Intranet des Netzwerks sind Texte und Informationen abrufbar, finden sich Dokumente zu den zahlreichen Rahmenverträgen, können einzelne Teilnehmer*innen untereinander kommunizieren, eigenständig Informationen einstellen, sich über Neuigkeiten und Fachthemen austauschen oder zu Veranstaltungen anmelden.

Kleiner Exkurs: Die NIRO-Akademie

Der Nutzen und zugleich das Nutzen von Netzwerken hat sich auch im Bildungsbereich bewährt. Nicht nur in Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen wird großer Wert auf Kooperationen und interdisziplinäre Projektarbeit gelegt. Viele Forschungsprojekte vertrauen auf die wertvolle Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Unternehmen, um neue (Produktions-)Verfahren oder optimierte Prozesse zu entwickeln.

Zahlreiche Weiterbildungsträger verfolgen einen ähnlichen Weg und bieten Verbundprojekte an.
Die NIRO-Akademie  – auch als eigenständige Linie im Netzfahrplan vertreten – richtet sich seit 2012 mit einer Vielzahl von Angeboten in erster Linie an produzierende Unternehmen und fokussiert Vernetzung. Zuvor war NIRO an der Initiierung und Etablierung von zwei dualen Studiengängen beteiligt und bot ausschließlich für Mitarbeiter*innen aus Mitgliedsunternehmen themenspezifische Weiterbildungen an.
Mittlerweile sind die Weiterbildungsangebote der NIRO-Akademie ausgebaut worden und zielen noch intensiver auf die positiven Effekte vernetzten Lernens. Neben klassischen Seminarformen wie offenen (auch Online-) Seminaren, Inhouse-Seminaren und Seminaren auf Nachfrage gibt es spezielle Weiterbildungsformate, die über mehrere Monate laufen und eine intensive Fortbildung ermöglichen. Betriebliche Führungskräfte, Talente oder Mitarbeiter*innen, die unter dem Titel „NetzWerkStatt“ an einem ausgewählten Thema arbeiten, durchlaufen während der Weiterbildung mehrere Wissensmodule. Begleitet werden sie von Expert*innen aus Wissenschaft, Industrie und anderen Fachgebieten. Eine individuell konzipierte Projektphase, die teilweise in den teilnehmenden Unternehmen stattfindet, ergänzt das gemeinsame Lernen inklusive Vernetzung und Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Doch nun zurück: Das Erfolgsrezept klingt also eigentlich ganz einfach. Ein Netzwerk muss seinen unterschiedlichen Mitgliedern materielle oder immaterielle Gewinne eröffnen. Das geschieht bei NIRO mit der Nutzung der Linien des Netzfahrplans.
Es sollte zudem klare Ziele formulieren, eine verlässliche, vertrauensvolle Basis aufweisen und Austausch in vielen unterschiedlichen Formaten ermöglichen.

Sie erinnern sich: Ganz zu Anfang wurde konstatiert, dass es egal ist, wie Sie netzwerken. Analog und digital nähern sich immer weiter an. Das ist grundsätzlich keine neue Erkenntnis, hat aber durch das Corona-Virus eine andere Dimension erlangt. Noch vor ein paar Wochen hätte ich unbedenklich behauptet, der analoge, persönliche Austausch ist das Wichtigste überhaupt. Ist er wahrscheinlich auch nach wie vor. Aber was sich in den letzten Wochen gezeigt hat: Es geht sehr viel auch digital oder virtuell. Und auch erstaunlich gut. Teams sprießen aus Festplatte oder Cloud in virtuelle Besprechungsräume, Chats und E-Mail werden noch mehr genutzt, Videokonferenzen, Online-Erfahrungsaustausche, Webinare und virtuelle Kaffeepausen ersetzen den analogen Büroalltag. Soziale Netzwerke und andere Medien versuchen noch mehr als vor Corona, das Kommunikationsbedürfnis der Menschen aufzufangen und zu befriedigen.
Es zeigt sich in der tagtäglichen Nutzung: Wir können in weiten Teilen digital arbeiten. Nahezu überflüssig zu erwähnen, dass dies natürlich nur für bestimmte Bereiche und Branchen gilt, aber dennoch auf einen beträchtlichen Teil von uns zutrifft.
Netzwerke brauchen Medien und Kommunikation, analog wie digital. Nach Corona wird sicherlich einiges von den Erfahrungen mit der digitalen Arbeitswelt bleiben. Und warum auch nicht. Wir müssen im Ballungsraum nicht für jedes Treffen persönlich vor Ort sein, international noch weniger. Manchmal genügt sicherlich ein Videochat. Mobiles Arbeiten kann vieles erleichtern und durchaus Sinn machen. Die Akzeptanz dafür ist gestiegen, die Technik wird immer zuverlässiger und besser. Wie bei so vielen Dingen sind wir selbst verantwortlich, das Beste daraus zu machen.

Und dennoch geht es nicht ohne das gute, analoge Miteinander. Persönlicher Kontakt ist die Grundlage unseres Zusammenlebens, egal ob zu Hause, in der Schule, an der Universität, im Beruf. Gemeinsame Erlebnisse, geteilte Erfahrungen, Small Talk und vertrauensvoller Austausch im realen Leben, der kleine informelle Schwatz in der Teeküche, das Bier zum Feierabend – das funktioniert ohne Strom, ohne Technologie und wird immer wichtig bleiben. Freuen Sie sich darauf, wenn es wieder möglich sein wird und zehren Sie davon, wenn es eben gerade nicht möglich sein sollte.

Ein paar Ratschläge für den Weg in Ihr Netzwerk

Ein Netzwerk fällt nicht vom Himmel und noch weniger fallen Sie automatisch in eines hinein. Einige Vorüberlegungen sollten Sie sich gönnen, um sich für ein geeignetes und sinnvolles Netzwerk entscheiden zu können.
Anbei abschließend einige Empfehlungen für Sie, die Ihnen den Weg in ein passendes Netzwerk ebnen.

Definieren Sie Ihre Ziele.
Überlegen Sie sich genau, wo Sie hinmöchten. Wie sehen Ihre Ziele aus? Was wollen Sie erreichen? Persönlich, in Ihrem Unternehmen und für Ihr Unternehmen? Wie steht es um Ihre Unternehmenskultur, was sollte sich dort weiter entwickeln? Welche Geschäftsmodelle haben Sie im Blick? Ist die Nachfolge in Ihrem Unternehmen geregelt? Nachhaltigkeit? Sind Sie digital gewappnet und und und…

Finden Sie Ihre Lücken und Schwachstellen.
Es gibt immer etwas, das noch besser sein könnte. Was ist das bei Ihnen? Woran fehlt es, was hätten Sie gerne? Machen Sie es nicht zum Jammertal, sondern zum Wunschkonzert.

Erstellen Sie eine Prioritätenliste.
Definieren Sie Ihre Top Ten. Oder Top Five. Einige Dinge sind wichtiger als andere. Ressourcen, Zeit, Budgets, Kraft und Nerven sind nicht unendlich verfügbar. Diskutieren Sie mit Gleichgesinnten und anders Denkenden. Bilden Sie sich ein Team und formulieren Sie gemeinsam einen Weg, eine Strategie, eine Reihenfolge.

Informieren Sie sich, welches Netzwerk Ihnen die größten Gewinne bietet.
Sicherlich eine der entscheidendsten Herausforderungen: Wer soll Ihr Herzblatt sein? Welches Netzwerk verspricht Ihnen die Umsetzung Ihrer Ziele und hilft Ihnen dabei, besser, stärker, effizienter oder bekannter zu werden? Recherchieren Sie im Internet, schauen Sie sich unterschiedliche Netzwerke an, fragen Sie Bekannte, Kolleg*innen oder Fachleute. Vergleichen Sie. Probieren Sie aus. Nutzen Sie Empfehlungen.

Netzwerken Sie und reden darüber.
Kommunikation hilft. Wenn Sie bereits in Netzwerken aktiv sind, lassen Sie andere dies wissen. Austausch bringt auf neue Ideen, inspiriert, bestätigt oder hat weiterführende Ratschläge zur Folge.

Werden Sie Teil unseres Netzwerks.
Prüfen Sie, ob Sie in irgendeiner Form Teil unseres Netzwerks werden möchten. Ob als Mitglied bei NIRO, als Nutzer*in unseres Einkaufspools onepower, als Teilnehmer*in eines Seminars unserer Akademie, als Kooperationspartner*in bei Aktionen oder Veranstaltungen, als Lieferant*in für Produkte oder Dienstleistungen – es gibt viele Möglichkeiten und wir freuen uns auf Sie.

Das Team von NIRO: Insa Kunz, Dr. Anja Zühlsdorf, Ludmila Riewe, Geschäftsführerin Ingrid Lange und Margarita Grünstern (v. l. n. r.). Auf dem Bild fehlt Ann-Kathrin Körner.

Geschrieben von Dr. Anja Zühlsdorf, NIRO e. V.

Über NIRO:

Das Netzwerk Industrie RuhrOst e. V. (NIRO) wurde Ende 2006 gegründet. Mit derzeit 70 produzierenden Mitgliedsunternehmen aus dem Maschinenbau sowie der Metall- und Elektronikbranche ist NIRO eines der größten Netzwerke für Industrieunternehmen in Nordrhein-Westfalen. Mit Sitz in Unna organisiert das Team unter Leitung von Geschäftsführerin Ingrid Lange die vielfältige Netzwerkarbeit.

www.ni-ro.de

Literaturnachweise:

Athanas, Christoph/Graf, Nele (Hrsg.): Innovative Talentstrategien. Talente finden, Kompetenzen fördern, Know-how binden, darin: Die Außensicht – Fallbeispiel Netzwerk Industrie RuhrOst e. V., S. 235-242, Freiburg 2013

Bensmann, Dieter: Netzwerke. Eine innovative Organisationsform nutzen und managen, Freiburg 2018

Diettrich, Andreas; Wolfgramm, Kati: Netzwerke in beruflicher und wissenschaftlicher Weiterbildung –Theoretische Grundlagen und Empfehlungen zum Aufbau von Netzwerken (Handreichung), Version 1.2, März 2014, abrufbar unter https://www.uni-rostock.de/storages/uni-rostock/UniHome/Weiterbildung/KOSMOS/Kosmos_Dokumente/Netzwerke_final_AD_31_03_14.pdf

Thiel, Stefan: Das „Netzwerk Industrie RuhrOst“ (NIRO) – Bewertung des Leistungspotenzials eines Netzwerkes (Diplomarbeit), Dortmund 2007

Weyer, Johannes: Soziale Netzwerke: Konzepte und Methoden der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung, De Gruyter Oldenbourg, 2012

Titelbild: beaded-1421178_1920 von Myriam Zilles auf Pixabay