Blockchain – Manipulationsgeschützt rückverfolgbar

Nach zehn Jahren Bitcoin hat sich die Blockchain emsig in Bereiche vorgearbeitet, wo sie ihre Vorteile jenseits von Kryptowährungen ausspielen kann. Den nächsten Schritt setzt die Technologie in Dortmund.

Der Finanzsektor war als einer der Ersten auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden. In letzter Zeit kommen die Erfolgsmeldungen aber mehr aus Energiewirtschaft und Logistik: Vorreiter war 2015 das New Yorker Start-up LO3Energy. Gemeinsam mit Siemens installierte man in Brooklyn ein Peer-to-Peer-Energienetz. Damit können Besitzer von Solaranlagen Strom direkt selbst kaufen und verkaufen. Die Blockchain hält fest, wer wann von wem wie viel Strom bezieht. So einfach kann’s gehen.

Gleiche Branche, aber richtig großes Kino: Das Blockchain-Projekt Enerchain, in Betrieb seit Ende Mai 2019, zielt seit 2017 auf Vereinfachung des B2B-Handels mit Strom und Gas über eine per Blockchain gesicherte Peer-to-Peer-Handelsplattform. 44 europäische Energieversorger sind mit im Boot. Apropos Boot: Schiffscontainer-Marktführer Maersk und IBM haben eine Blockchain mit Informationen zum Warenverkehr aufgebaut. Über 100 Organisationen sind an dem Projekt TradeLens beteiligt, darunter Reedereien, Binnenschiffer und mehr als 40 internationale Häfen.

Blockchain-Institut der Fraunhofer-Forschung

Es geht auch kleiner, aber ebenso praktisch. Zum Beispiel am Institut für Internet-Sicherheit if(is) der Westfälischen Hochschule. Dort werden die Informatik-Zeugnisse und -Zertifikate bereits digital signiert und die Signaturen in der Blockchain abgelegt. Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Blockchain-Idee entsteht – das zeigt allein ein Blick auf die vielen Events, Foren, Diskussionen usw. in Dortmund und Umgebung: Acht Meetup-Gruppen mit insgesamt über 1300 Mitgliedern behandeln hier so unterschiedliche Anwendungsfelder wie E-Mobilität, Sozialversicherung oder Supply Chains.

Vor Ort in Dortmund wird noch 2019 in unmittelbarer Nähe zur TU am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML ein neues Europäisches Blockchain-Institut ausloten, welches Potenzial in der Blockchain steckt. Das Fraunhofer IML ist wie geschaffen dafür: Dort hat man Erfahrung in Smart-Finance-Dingen und zum Beispiel 2018 zusammen mit der Commerzbank das Trade Finance Innovations Lab gestartet, zugleich ist das Institut Träger des Digital.Hub Logistics – und gerade auf dem Feld der Logistik versprechen sich die Wissenschaftler von der Blockchain die größten Neuerungen. Die drei Fraunhofer-Direktoren Michael ten Hompel, Michael Henke und Uwe Clausen sind übrigens alle Professoren in Dortmund. Gemeinsam mit drei weiteren Fraunhofer-Instituten (AISEC, FIT und IIS) entsteht hier eine Blockchain-basierte Infrastruktur namens Trackchain, die beliebige Ereignisfolgen nachvollziehbar und manipulationsgeschützt aufzeichnet. Statt Hype also nüchterne, aber zuversichtliche Erwartungen.

Was ist eine Blockchain?

Blockchains sind verteilte Datenbanken. Die Daten werden über ein Netzwerk an die Nutzer verteilt, laufend synchronisiert und sind dadurch nicht einfach löschbar. Alle Datenblöcke sind miteinander verkettet und somit nicht nachträglich veränderbar. Diese enorme Datensicherheit macht die Blockchain für viele neue Bereiche interessant.

 

Fachbeitrag von Roland Freist im Auftrag der eMedia GmbH, einer Tochtergesellschaft der Heise Medien GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin “Digitale Woche Dortmund” von August 2019.

Foto: Roland Gorecki